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Tierwohl in der Breite verbessern

Verbraucher möchten, dass Nutztiere artgerecht gehalten werden. In Befragungen sagt auch oft eine Mehrheit der Teilnehmer, einen höheren Preis für mehr Tierwohl zahlen zu wollen. Die Bandbreite der Aufpreisbereitschaft allerdings ist groß und die Umfrageergebnisse bringen erst einmal nur eine Absicht zum Ausdruck. Denn momentan sieht die Praxis anders aus.

Kunden, die beim Kauf von Fleisch und Fleischerzeugnissen vor allem Wert auf hohe Haltungsstandards legen, greifen in erster Linie zu Bio-Produkten. Ihre Erzeugung jedoch ist teuer, der Preis hoch und die Käuferzahl gering. Diese Wechselwirkungen führen zu einem Marktanteil von nicht einmal fünf Prozent und sind die Hauptursache dafür, dass das Tierwohl in der Nutztierhaltung aktuell ein Nischendasein führt.

Bereits seit geraumer Zeit arbeitet der deutsche Lebensmittelhandel daran mit, dass sich an diesem Zustand etwas ändert. So kooperieren Unternehmen mit Tierschutzorganisationen, beispielsweise indem sie diese beim Auf- und Ausbau von Label-Programmen unterstützen.

Unternehmensübergreifend engagiert sich eine Reihe von Handelsunternehmen seit Anfang 2015 maßgeblich in der Brancheninitiative Tierwohl. Gemeinsam mit Landwirtschaft und Fleischwirtschaft wollen sie die Standards in der Nutztierhaltung für Schweine und Geflügel marktweit ausbauen.
Möglich machen das die teilnehmenden Handelsunternehmen, die den Mehraufwand mit einer über den gesamten Finanzierungszeitraum vertraglich zugesagten Fördersumme von mehr als 600 Millionen Euro bezahlen.

Die Brancheninitiative Tierwohl mit ihrem Ansatz, das Tierwohl in der Nutztierhaltung in der Breite zu verbessern, ist aus Sicht des Handels daher auch die Basis für ein staatliches Tierwohllabel. Sein Ziel muss es sein, sowohl die Haltungsbedingungen möglichst vieler Nutztiere anzuheben, als auch hohe Verbraucherakzeptanz zu erreichen. Das kann allerdings nur gelingen, wenn die Maßnahmen für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette wirtschaftlich darstellbar und für Verbraucher bezahlbar sind.


„Über 600 Millionen Euro für die Verbesserung des Tierwohls.“


© BVLH

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Unsere Forderungen an die Politik

  • Das Tierwohl muss in der Breite der Nutztierhaltung verbessert werden. Einem staatlichen Tierwohllabel, das zur Erfüllung dieses Ziels wesentlich beiträgt, steht der deutsche Lebensmittelhandel offen gegenüber.
  • Auch ein staatliches Tierwohllabel muss sich am Markt durchsetzen. Folgende Aspekte sind dabei vor allem zu beachten:
    • Die weiterentwickelte Brancheninitiative Tierwohl wird zur Einstiegsstufe.
    • Für eine breite Marktdurchdringung müssen möglichst viele Tierhalter am System teilnehmen.
    • Die Vermarktung von Fleisch und Fleischerzeugnissen mit Tierwohllabel muss alle Vertriebskanäle verbindlich erfassen.