BVLH zur BTW 2017

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II. Tierwohl in der Nutztierhaltung praxistauglich steigern

Zur Bundestagswahl 2021 fordert der BVLH:

Der neue Bundestag, die neue Bundesregierung und die Bundesländer müssen dafür sorgen, dass die vom Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung empfohlenen förderpolitischen Maßnahmen und fiskalpolitischen Instrumente effizient auf das Ziel einzahlen, das Tierwohl in der Nutztierhaltung zu verbessern. Dabei müssen die von der Machbarkeitsstudie erstellten Handlungsempfehlungen ebenso beachtet werden wie die Ergebnisse der Politikfolgenabschätzung zu den Empfehlungen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung.
Beim Umbau der Nutztierhaltung in Deutschland dürfen weder die Initiative Tierwohl noch die Haltungsform-Kennzeichnung gefährdet werden. Vielmehr fordert der BVLH, dass diese beiden privatwirtschaftlich getragenen und von Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandel wesentlich initiierten Systeme in die Nutztierhaltungsstrategie einbezogen werden, damit die aufzusetzenden Maßnahmen von den Erfolgen der ITW und der Haltungsform-Kennzeichnung profitieren.
Zur Sicherung und Förderung des freien Warenverkehrs und der Wettbewerbsgleichheit fordert der BVLH die neue Bundesregierung auf, sich für eine europäische Strategie zur Verbesserung des Tierwohls einzusetzen. Dabei sollte die Verabschiedung einer EU-weit einheitlichen Tierwohlkennzeichnung im Fokus stehen.

Der tierwohlgerechte Umbau der Nutztierhaltung in Deutschland gehört zu den größten agrarpolitischen Herausforderungen der kommenden Legislaturperiode. Die hohe gesellschaftliche Relevanz dieses Themas leitet auch die Unternehmen des deutschen Lebensmittelhandels in ihrem Bestreben, wirksam an diesem Prozess mitzuarbeiten. Ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung des Tierwohls in der Nutztierhaltung ist zweifelsohne die Initiative Tierwohl (ITW).

Die ITW hat sich seit ihrer Gründung 2015 zu einem der weltweit größten und wirksamsten privatwirtschaftlich organisierten Tierwohlprogramme entwickelt. Mittlerweile profitieren jährlich 42 Millionen Schweine und 628 Millionen Geflügeltiere von den Maßnahmen. In den ersten zwei Programmphasen von 2015 bis 2020 haben die beteiligten Handelsunternehmen 645 Millionen Euro in die ITW investiert. In der 3. Phase, die 2021 gestartet ist, wurde ein Übergangsfonds für die Einbeziehung der Ferkelerzeuger in die ITW aufgelegt, den die teilnehmenden Lebensmitteleinzelhändler mit ungefähr 30 Millionen Euro jährlich füllen.

Förder- und fiskalpolitische Instrumente zur Verbesserung des Tierwohls dürfen privatwirtschaftlich errungene Erfolge nicht gefährden.

Die ITW ist eine rein privatwirtschaftliche Maßnahme, die ohne öffentliche Gelder umgesetzt wird. Sie verbessert die konventionelle Tierhaltung unter den gegebenen Marktbedingungen schrittweise.

Um die milliardenschweren jährlichen Investitionen, die politisch für den Umbau der Nutztierhaltung gefordert werden, zu refinanzieren, hat das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung fiskalpolitische Finanzierungsvorschläge unterbreitet, die in einer Machbarkeitsstudie geprüft wurden.

Wer das Tierwohl in der Nutztierhaltung wirksam verbessern will, muss die Verbraucherinnen und Verbraucher mitnehmen. Obwohl nur der kleinere Teil der in Deutschland erzeugten Fleischmenge in die Regale des Lebensmitteleinzelhandels gelangt, lässt sich bereits über die Kennzeichnung dieser Produkte mehr Transparenz über die Nutztierhierhaltung herstellen.